„Verschwindende Orte“ von Eva-Maria Baumeister

Ein Theaterstück, das eindringlich zeigt, wie betroffene Menschen mit dem Tagebau und seiner zerstörerischen Kraft konfrontiert werden

Aus den Kategorien Allgemeines, Braunkohle

vom 3. November 2019

Am Donnerstag, den 31.10.2019, wurde in der Alten Feuerwache Köln das Theaterstück „Verschwindende Orte“ von EVA-Maria Baumeister uraufgeführt. Der Ort war passend gewählt, im Theaterstück wurde sehr deutlich, wie sehr sich das Thema Heimatzerstörung  für Braunkohle zum Flächenbrand einer ganzen Region ausweitet.

Die Protagonisten des Stücks, eine junge Architektin aus einem der Orte, die der Zerstörung heimfallen sollen, zeigt eindringlich, wie Menschen zunächst eher lethargisch dem Tagebau gegenüberstanden, dann kommunikativ und kreativ versuchten, sich einzubringen. Doch statt sich mit den Bürgern zu befassen, ihre Probleme ernst zunehmen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten, wurden die Stimmen der Bürger durch das ewige Geleier der Verantwortlichen: „Wir haben so viel Erfahrung, wir wissen alles besser, alles was Bürger sagen, ist irrelevant“ unterdrückt. Diese Unterdrückung des Engagements der betroffenen Bürger führt zu Depression und Vereinsamung, die letztendlich in Wut und Widerstand endet.

Bei der Recherche zu diesem Stück hat Frau Baumeister viele Gespräche in den letzten fünf Orten, die dem mittlerweile völlig sinnlosen und gemeinschädlichen Tagebau weichen sollen, geführt. Und so besteht dieses Stück nur aus den Beiträgen, die die betroffenen Bürger geäußert haben. Immer wieder sind während des Stücks Originaltöne aus dem „Off“ zu hören. Der Zuschauer stellt schnell fest, dieses Theaterspiel ist keine Fiktion, es ist vielmehr eine Dokumentation aus einer Welt der Ignoranz, der Bedrohung und der Vertreibung.

Ein weiteres Stück Authentizität verleiht der Kirchenchor Cäcilia Tenholt/Granterath/Hetzerath dem Stück. Denn hier wirken Menschen aller Altersklassen aus der „Nachbarschaft“ des Tagebaus mit. Dieser sehr engagierte Chor stellt die Gemeinschaft dar, die sich der Apokalypse rund um den Tagebau nicht weiter verschließen kann und ein Teil des Widerstands wird.

„Zu sehen, wie in diesem Theaterstück die verschiedenen Phasen der Veränderung der Menschen deutlich gemacht werden, geht unter die Haut“ Hans Josef Dederichs, Umsiedler aus Kuckum, war wie viele andere Menschen aus den bedrohten Orten auch, bei der Premiere anwesend. „Sehr emotional war für mich die Herabsetzung der Bürger, die dem Tagebau kritisch gegenüberstehen. Vor meinem inneren Auge liefen die letzten 25 Jahre Widerstand ab, es war real“.

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