Fünf Tage für ein besseres Klima

Als Familie klimaneutral leben - geht das? Melanie Olejnik-Spindler und ihre Familie haben es ausprobiert und wissen: es geht! Ein Erfahrungsbericht.

Aus der Kategorie Klimaschutz

vom 14. April 2020

Erkelenz-Gerderath. Auf die Idee kam sie durch einen Wettbewerb des WDR. Dort konnte man einen Familienurlaub gewinnen, wenn man sich der Herausforderung als vierköpfige Familie stellte. Daran teilnehmen konnte sie aus organisatorischen Gründen nicht, doch ihre Neugier war geweckt. Melanie Olejnik-Spindler stellte sich die Frage: Wie CO2-freundlich kann eine Familie auf dem Land leben, wenn auch noch beide Eltern täglich zur Arbeit pendeln müssen? In ihrem Fall heißt es, dass sie in Gerderath wohnen und in Würselen und Düsseldorf arbeiten.

„Mein Sohn hielt es für eine Verrücktheit von mir“, erinnert sie sich. „Doch dann hat er mitgemacht. Unsere Tochter fand es interessant.“ Zunächst wurden konkrete Ziele festgelegt. „Einiges davon war schwieriger, anderes leichter“, sagt Olejnik-Spindler. Sie einigten sich darauf, höchstens eine Minute pro Tag zu duschen und den Fernseher nur abends für die Nachrichten einzuschalten. Darüber hinaus wurden das Handy und der Laptop nur morgens und abends für jeweils 15 Minuten genutzt, um E-Mails nachzuschauen. Ein weiteres Ziel war die Ernährung. „Wir wollten ausschließlich regionales und saisonales Obst und Gemüse und möglichst wenig Wurst und Fleisch kaufen“, erläutert sie den Plan. Abstriche machten sie bei der Nutzung des Autos, denn Ehemann Oliver arbeitet 50 Kilometer entfernt im Dreischicht-System. Wegen der schlechten Anbindungen an Bus und Bahn hatte er jedoch schon vorher eine Fahrgemeinschaft mit Arbeitskollegen gebildet.

 

Der innere Schweinehund oder „Back to the roots“

Auf den ersten Blick eine Reihe kleiner Maßnahmen, die man durchaus bewältigen kann. „Und doch war es zuerst eine Umstellung“, räumt sie ein. „So hätte ich nie gedacht, dass man in einer Minute duschen kann.“ Daher stoppte sie beim ersten Versuch die Zeit und stellte fest: es klappt. Sicherlich musste sie einige Male den inneren Schweinehund überwinden, räumt sie ein. Der weitestgehende Verzicht auf Fernseher und Internet fiel ihr persönlich nicht schwer. „Es erwies sich als Wohltat“, erinnert sie sich. „Wir hatten Zeit zu lesen und uns um die Weihnachtsbasteleien zu kümmern oder mal wieder mit der ganzen Familie Gesellschaftsspiele zu spielen.“ So bekam die Zeit mit der Familie eine ganz neue Qualität, was auch die Kinder zugeben mussten. Das Fernsehen sei jedoch ein „Suchtmittel“, gibt sie zu. Denn schon kurz nach dem Versuch lag der Fernsehkonsum wieder so hoch wie zuvor. „Da müssten wir wirklich noch an uns arbeiten“, räumt Olejnik-Spindler ein. Ein anderes Problem ergab sich bei der Ernährung. „Schon oft haben wir uns die Frage gestellt, was uns eigentlich wichtiger ist, auf regionales und saisonales Obst und Gemüse zurückzugreifen oder konsequent auf Bio zu achten“, erinnert sie sich. Einen Biobauern gibt es in ihrem Wohnort nicht und Bioprodukte aus dem Supermarkt haben auch oft ihre Tücken, wenn man es ernst nimmt. „In Plastik verpackte Bio-Produkte können auf keinen Fall die Lösung sein“, lautet ihr Fazit. „Daher lag unser Fokus schon seit längerem auf den regionalen Produkten, wie man sie zum Beispiel auf dem Wochenmarkt bekommt.“ Im Internet fand sie auch leckere Rezepte für saisonale Gerichte, die bei der Familie ankamen. „Das schmeckt, das machen wir weiter!“, lautete das Urteil der drei Testesser am heimischen Tisch. Selbst das Thema Fleisch und Wurst, an dem sich oft die Geister scheiden, sollte bei den Olejnik-Spindlers kein Problem dar. Denn Wurst aus dem Supermarkt kommt bei ihnen schon lange nicht mehr auf den Tisch, dafür lieber mal ein selbstgemachter Kräuterquark. „Ganz auf Fleisch und Wurst verzichten wollten wir nicht, dafür schmeckt es einfach zu gut“, erklärt sie. „Wir kaufen schon länger lieber beim Metzger unseres Vertrauens ein.“ Den Unterschied könne man schmecken. Insgesamt ist die Familie zufrieden.

 

Frustthema Mobilität

An sich ein positives Resümee, wenn da nicht die Mobilität wäre. Da sieht Melanie Olejnik-Spindler den Hasen im Pfeffer. Die beiden Kinder legen im Sommer mit dem Rad und im Winter mit dem Bus die rund acht Kilometer zur Schule zurück. Sie selbst pendelt an vier Wochentagen zum Bahnhof nach Erkelenz, um von dort aus nach Düsseldorf zu fahren. Also entschied sie sich nun für den Bus, um nach Erkelenz zu kommen. „Die Hinfahrt stellte zumeist kein Problem dar“, erinnert sie sich. Doch die Rückfahrt steckte voller Tücken und fraß Zeit. Regelmäßige Verspätungen und Anschlussverbindungen, die einem vor der Nase wegfahren oder gar Zugausfälle führten dazu, dass der Heimweg von der Arbeit oft doppelt so lang dauerte wie der Hinweg. Wartezeiten von bis zu einer Stunde sind nicht gerade das, was man sich nach dem Feierabend wünscht.

„Wenn dann daheim noch zwei Kinder auf einen warten, ist das ein bescheidenes Gefühl“, erklärt sie. „Alle reden davon, man solle sein Auto stehen lassen und mehr die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Bevor dies geschehen kann, muss dringend mehr in den öffentlichen Nahverkehr investiert, die Vernetzung zwischen Bus und Bahn verbessert und die Taktung deutlich verkürzt werden.“ Sie selbst schaue insgesamt zufrieden auf das Familienexperiment zurück. Was sie als Familie tun konnten, haben sie mit Erfolg auch umgesetzt. Für den zukünftigen Alltag habe sie einige Ideen, wie ihre Familie einen Beitrag zu mehr Klimaneutralität leisten kann. Nun hofft sie, dass es auch im Bereich des ÖPNV ein Umdenken gibt. „Vielleicht können ja viele neue Bus- und Bahnkunden zu einer umwelt- und kundenfreundlicheren der Verkehrspolitik führen“, lautet ihr Fazit.

 

„Es war eine tolle Erfahrung. Oft scheitert man wirklich nur an sich selber und seiner eigenen Bequemlichkeit. Viele andere Punkte, wie der öffentliche Nahverkehr oder auch das Radwegenetz, werden durch unsere Politik beeinflusst. Ich erhoffe mir in Zukunft einen klaren stärkeren grünen Einfluss, um auch die vielen Menschen, die wie wir gerne umweltbewusster Leben möchten, noch stärker zu unterstützen.“

Melanie Olejnik-Spindler

 

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