Dialog an der Halfpipe

Erkelenz hat eine große Skater-Szene, doch sie ist bei der Stadtverwaltung anscheinend ein bisschen in Vergessenheit geraten. Bürgermeisterkandidat Hans-Josef Dederichs besuchte sie auf ihrer Skate-Anlage am Adam-Stegerwald-Hof. Sein Fazit: „Der Dialog muss schnell beginnen.“

Aus den Kategorien Jugend, Kultur, Stadtentwicklung

vom 27. Juli 2020

Skateboards begleiten die Jugendkultur seit Jahrzehnten. Auch in Erkelenz sieht man die jungen Frauen und Männer auf ihren Rollbrettern. Wer sie in sportlicher Aktion sehen möchte, der sollte der Skate-Anlage am Adam-Stegerwald-Hof – gleich gegenüber vom Kaufland – einen Besuch abstatten. Dort trifft sich nicht nur bei gutem Wetter eine rund 50-köpfige Gruppe, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. Die Gruppe ist breit aufgestellt und reicht vom 13-Jährigen bis zum Erwachsenen Anfang 30 mit Beruf, Haus und Familie. Sie alle verbindet die Faszination daran, was man alles mit einem Skateboard anstellen kann. Ihre Anlage, die vor einigen Jahren konzipiert und angelegt wurde, stellt jedoch zunehmend ein Problem dar. Denn die Geräte sind teilweise in einem mehr als reparaturbedürftigen Zustand. „Heutige Anlagen werden ganz anders konzipiert“, erläuterte Christian Funk dem Besucher. Doch das allein sei nicht das Problem, wie Dederichs selbst sah. Denn gegenüber der Bänke, bei denen sich die Gruppe trifft, sieht man eine Betonkonstruktion. Sie ist mit Bauzäunen von der übrigen Anlage abgetrennt, und das seit einigen Wochen. Anstatt die Quarterpipe zu reparieren wurde sie einfach „aus dem Programm gestrichen“. An anderen Stellen wurde der Betonboden dergestalt „ausgebessert“, dass man nun mit dem Rollbrett darin steckenbleibt, wenn es heiß ist. Eine Kommunikation zwischen der Gruppe und der Stadt sei zum Stillstand gekommen, seit Jugendpfleger Markus Wilmer zum Kreis gewechselt ist, berichtete Funk weiter.

 

Die „stillgelegte“ Quarterpipe

Dabei wäre ein Austausch vonnöten. Denn oftmals beginnen die Treffen der Skater damit, dass zunächst Besen und Kehrblech geschwungen werden. Denn der Platz wird auch oftmals für nächtliche Partys genutzt, bei denen anscheinend regelmäßig Leergut zu Bruch geht. Die Reinigung sei an sich Aufgabe der Stadt, sagten die Skater, zumal an die Skate-Anlage gleich ein Spielplatz anschließe, auf dem auch kleine Kinder spielen.

Die Skater haben auch klare Ziele und Vorstellungen, die sie mit der Stadt diskutieren möchten. Licht an der Anlage würde es ihnen ermöglichen, auch nach Einbruch der Dunkelheit zu skaten und wäre ein gutes Mittel gegen die scherbenreichen Partys auf der Anlage. Auch könnte die gesamte Anlage eine Modernisierung vertragen, um mit den Anlagen in Nachbarstädten mithalten zu können. So verweisen sie zum Beispiel nach Mönchengladbach, wo die Gruppe „Rollbrett-Union“ gemeinsam mit der Stadt in einem leerstehenden Supermarkt eine Skate-Halle eingerichtet hat. Ein Beispiel, das nicht nur die jungen Rollbrettfahrer anspornt. Denn die Erkelenzer Grünen setzen sich schon lange für einen flexiblen und offenen Bürgertreff in der Stadt ein. Ein weiterer Schritt in Richtung mehr Mitbestimmung ist die Einrichtung eines Jugendparlaments. Dieses sollte auch mit einem Budget ausgestattet sein und eher die Gruppen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen widerspiegeln als die Jugendorganisationen der Ratsparteien.

Dederichs betonte weiter, dass es Ziel grüner Politik sei, in Erkelenz alle Gruppen zu berücksichtigen und den Dialog nicht abreißen zu lassen, wie es in diesem Falle geschehen sei. Dafür könne man seiner Meinung nach niemanden persönlich verantwortlich machen. „Mit jedem Wechsel und jeder Stellenneubesetzung gehen auch immer alte Verbindungen und Kompetenzen verloren“, erklärte er. Im Erkelenzer Jugendamt mussten gleich zwei Stellen neu besetzt werden, denn auch der jahrelange Leiter des Jugendamtes wechselte in den Ruhestand. Dederichs gab seiner Gewissheit Ausdruck, dass seitens des Jugendamtes keine Berührungsängste mit einzelnen Gruppen bestünden. Mit den Skatern verabredete er einen regelmäßigen Austausch, bis Mitsprachegremien auf Stadtebene geschaffen seien. „Wir dürfen den Dialog nicht auf die lange Bank schieben“, erklärte er. „Denn bei den anstehenden Entscheidungen im Handlungskonzept müssen alle Gruppen mit ihren Anliegen berücksichtigt werden.“

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