Straftaten im Tagebaugebiet

Eingeworfene Fensterscheiben, abgerissene Fallrohre, aufgesprühte Hakenkreuze. Die Liste der Beschädigungen in den Umsiedlungsdörfern ist lang.

Aus der Kategorie Braunkohle

vom 6. Februar 2020

Immer mehr Einwohner der letzten fünf Umsiedlungsdörfer verlassen ihre Heimat und suchen sich einen neuen Lebensmittelpunkt. Eine Fahrt durch die Dörfer zeigt nicht nur Rollläden, die halb herunter gelassen sind und graue Container vor den leeren Häusern. Wer genau hinschaut, sieht überall auch schon die Spuren derer, die das Leben der verbliebenen Menschen zusätzlich noch schwieriger machen.

Eingeworfene Fensterscheiben, abgerissene Fallrohre, aufgesprühte Hakenkreuze im öffentlichen Raum. Straftaten, die suggerieren, dort sei ein rechtsfreier Raum entstanden. Rücksicht auf die Menschen, die noch in den Dörfern wohnen? Fehlanzeige!

In den Gesprächen der Arbeitskreise „Ortsbild“ machte RWE deutlich, dass man nur an der Verfolgung von Straftaten interessiert sei, die sich gegen die Arbeitsgeräte des RWE richten, nicht aber am „toten Kapital“ der leerstehenden Häuser. Somit bleibt die Plünderung und Sachbeschädigung für die Täter quasi folgenlos, denn den Verantwortlichen, sprich RWE, interessiert es nicht, welche Schäden dort durch Plünderung und Vandalismus angerichtet werden oder unter welchen Umständen die letzten Einwohner der Dörfer leben müssen.

Dabei ist es in ehemaligen Orten Borschemich und Immerath in der Vergangenheit durchaus zu schweren Straftaten gekommen, aus denen die Verantwortlichen hätten Lehren ziehen können.

Brandstiftungen in leerstehenden Häusern in Borschemich-Alt  führten  zum Tod von drei Feuerwehrleuten und weiteren Verletzten bei den Einsatzfahrten.

Jetzt beschwört aber insbesondere die FDP im Kreis Heinsberg und in der Stadt Erkelenz die Gefahr „linker Klimaaktivisten“ im Tagebaugebiet herauf, wie der Vorstand der FDP zuletzt in einem Artikel der RP darlegte. Obwohl es bislang bei allen Veranstaltungen und Demonstrationen in Keyenberg absolut friedlich blieb und dort überwiegend ein bürgerliches Bündnis für eine verantwortungsvolle Zukunft ohne Kohle einsetzt. Kein Polizeibericht sagt irgendetwas anderes aus.

„Es ist nicht zu verstehen, dass sich die FDP der Kreises Heinsberg Sorgen um ein Szenario macht, für das es derzeit überhaupt keine Anzeichen gibt. Die reale Bedrohung der Bürger in Keyenberg, Kuckum, Unter-/Oberwestrich und Berverath durch die Untätigkeit des RWE gegenüber Sachbeschädigungen und Plünderungen durch Vandalen und Hackenkreuzschmierereien durch rechte Extremisten wird aber völlig verleugnet“, sagt der Sprecher der Erkelenzer Grünen, Hans Josef Dederichs.

Das ist auch die Meinung von Britta Kox aus Berverath, die sich gemeinsam mit anderen Bürgern, die ihre Heimat nicht verlassen wollen, vor Ort friedlich für den Ausstieg aus der Braunkohle und ein schnellstmögliches Ende des Tagebaus Garzweiler II einsetzt. „Wir haben keine Angst vor den Menschen, die gemeinsam mit uns friedfertig demonstrieren, wir haben Angst vor denen, die sich an unseren Häusern zu schaffen machen, unsere Gesundheit bedrohen und unsere Gemeinschaft zerstören“, betont sie. „Wir fordern, dass sich die Politik dafür einsetzt, unsere Lebensqualität vor Ort bis zum Ende zu sichern. Das machen derzeit weder das Land noch der Tagebaubetreiber und Verursacher RWE.“

„Die Gefahr hier im Kreis Heinsberg und in den Tagebauorten kommt eindeutig von rechts und erfordert eine eindeutige Reaktion durch alle demokratische Parteien“, betont Dederichs. „Die Grünen Erkelenz würden sich freuen, wenn das auch von der FDP so akzeptiert würde.“

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